Lidl - Erfolgreich in Deutschland, verschmäht in Schweden

Die "Geiz ist geil"-Mentalität wirkt in Deutschland, aber nicht in Schweden, könnte man etwas "flapsig" zwei Artikel zusammenfassen, die am 3. Dezember 2012 in der überregionalen schwedischen Tageszeitung Dagens Nyheter (DN) erschienen sind.

Während Lidl in den ersten 9 Jahren auf dem schwedischen Markt 3 Mrd. SEK Verlust eingefahren hat [vgl. http://www.svetys.net/artikel/items/drei-milliarden-verlust-wegen-unterschatzung-kultureller-unterschiede.html], läuft das Geschäft in Deutschland wie "am Schnürchen" [vgl. http://www.dn.se/ekonomi/lagpriskedjan-har-forlorat-tre-miljarder].

Der Verlust in Schweden wird in DN damit begründet, dass das Sortiment des Discounters zuerst als eigenartig wahrgenommen worden war und dass die Führungsphilosphie des Unternehmens den Unmut der Gewerkschaft auf sich gezogen hatte - in Schweden ein großer Imageverlust!

Der Erfolg in Deutschland wird von Prof. Dr. Thomas Roeb von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg mit der deutschen "Geiz ist geil"-Mentalität begründet. "Die proletären Kunden von Lidl hören nicht auf bei Lidl Lebensmittel zu kaufen, nur weil Lidl Personal videoüberwacht."

Mit anderen Worten: In Deutschland sind niedrige Preise wichtiger als hohe Ethik und Moral.

Und genau da haben wir einen wichtigen Unterschied in der deutschen und der schwedischen (Geschäfts-)Kultur: In Deutschland werden tendenziell quantitative, also rechenbare Größen für die Entscheidungsfindung herangezogen. Und da ist der Preis natürlich ein sehr wichtiges Kriterium.

In Schweden hingegen werden tendenziell sehr viel stärker auch qualitative, also "weiche", nicht messbare Kriterien in die Entscheidungsfindung mit einbezogen. U.a. unethisches und nicht verantwortungsbewusstes Verhalten eines Unternehmens hat daher in Schweden viel größere Auswirkungen auf das Kundenverhalten als in Deutschland.

Wenn man auf einem ausländischen Markt erfolgreich sein möchte, macht es Sinn, sich von Anfang an mit der (Geschäfts-)Kultur des Landes, möglichst ganzheitlich, zu beschäftigen. Auch bei so nahliegenden Märkten wie Schweden und die anderen skandinavischen Länder!

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Kommentar von Klaus Oberhem |

Es ist schon ein Trauerspiel was wir hier in unserem Land für einmoralisches Verwürfnis haben.
Die Schweden haben wohl kein Problem damit für gute Arbeit gutes Geld zu bekommen dementsprechend sind sie auch bereit höhe Preise für Produkte des täglichen Gebrauchs zu zahlen.
Es wird Zeit das auch in Deutschland ein Umdenkungsprozess stattfindet

Kommentar von Uta Schulz |

Mmh!
Ich würde mit schwedischer Diplomatie vielleicht nicht ganz so hart urteilen.
In aller Regel haben wir Menschen gute Gründe uns so zu verhalten wie wir uns verhalten.
In einem Internet-Forum schrieb mir eine Italienerin, dass Lidl in Italien erst seit der Wirtschaftskrise verstärkten Zulauf hat. Es also einen kausalen ökonomischen Grund für den Zulauf gibt.
Einerseits ist es glaube ich ein kultureller Trend in Deutschland, dass wir uns sehr stark am Preis und rechenbaren Größen orientieren. Machen Sie das nicht?
Andererseits könnte es ja auch sein, dass es wirklich einen triftigen Grund gibt, billig einzukaufen. Wie sieht es denn aus mit Armut und niedrigem Einkommen?
Traditionell ist Schweden eines der Länder, das ein relativ egalitäres Einkommenssystem (gehabt) hat. Bin dies bezüglich aber im Augenblick nicht ganz auf dem Aktuellen Stand...

Kommentar von Karin |

Das Angebot bei Lidl in Schweden ist leider auch immer noch kein volles Angebot. Der "Standard"schwede muss nach dem Besuch bei Lidl noch immer zu einem anderen Supermarkt gehen. Und wieviele Leute haben Lust, in zwei Supermärkte zu gehen, wenn sie ihren Wocheneinkauf auch nur mit einem Besuch erledigen können?

Kommentar von Uta Schulz |

Ja, es scheint fast so, als ob Lidl jedes kleine Fettnäpfchen, in das man in Schweden tapsen könnte, voll ausnutzt.
Aber warum nur?! Warum wird man nicht schlauer?